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  2. Eine Inschrift in Lissabon. Mein Bewusstsein ist beeindruckt.

     
  3.  

  4. Vom Kampfsport und Programmieren

    Durch Zufall bin ich letzte Woche auf das Konzept der “Code Kata" gestoßen, dem Versuch, das Prinzip der Kata in den Kampfsportarten auf Programmierung zu übertragen. Meine erste Reaktion war sehr positiv - denn Programmierung und Kampfsport passt recht gut zusammen. Meine zweite Reaktion war wiederum sehr negativ, denn irgendwie haben “Code Katas” dann doch sehr wenig mit “echten” Katas zu tun, und meine letzte Reaktion war dann - naja, so mittel. Warum?

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  5. Sechs Monate

    Ab wann war ich mit meinem Job als Berater unzufrieden?

    Es ist schwierig, soetwas klar zu fassen. Denn im Nachhinein findet man Dinge, an denen man sich eigentlich nicht gestört hat, furchtbar. Aber wo war die Stelle, dieser Punkt wo die “normalen” Nachteile des Berufes aufhören und wo man auch objektiv sagen würde: “Das war nicht gut”?

    Sechs Monate nach Beginn meiner Arbeit als Berater hatte ich Urlaub. Ich hatte ihn von sehr langer Hand geplant, und ihn, wie üblich, eingereicht und genehmigen lassen. Im Projektteam hatte ich das auch sofort vermeldet, mündlich und per Mail an die Projektleitung.

    Als das Projekt sich dann immer weiter verlängerte und meinem Urlaub immer näher kam, schickte ich noch eine Mail an die Projektleitung: “Denkt an meinen Urlaub!”

    Sie dachten nicht an meinen Urlaub und reagierten schon fast panisch, als ich eine Woche vorher nochmals darauf hinwies. Wann ich den denn eingereicht hätte? Wer das denn genehmigt hätte? Ob ich nicht wisse, dass da wichtige Termine mit mir geplant wären? Und das wichtigste: Warum ich denn nichts gesagt hätte?

    Mit schlechtem Gewissen ging ich in den Urlaub, mein Diensthandy begleitete mich überall hin, ich war vollständig erreichbar und arbeitete im Schnitt zwei Stunden pro Tag.

    Das war der Moment.

     

  6. Instagram: Lernt es oder lasst es!

    In meiner Heimatstadt Hann. Münden erzählt man sich eine Anekdote: Einst gab es eine Kunstskulpturenausstellung auf dem Hann. Mündener Gieselwerder. Dort soll jemand, zwischen all den Werken und Skulpturen, mit einer Sprühflasche Hundekot am Wegesrand übersprüht und damit vergoldet haben, und dann ein selbstgebasteltes Schild im Stil der sonstigen Kunstausstellung daneben aufgestellt haben. Und einige Leute haben das geglaubt, je nachdem wer die Anekdote erzählt wurden sogar Fotos gemacht und es in der Zeitung abgedruckt.

    Über Kunst lässt sich streiten. Insbesondere bei dieser Anekdote kann man sich fragen: Wenn vergoldete Fritten Kunst sein sollen, wie verhält es sich dann mit dem Kot? Insbesondere, wenn es kein Künstler, sondern ein Spaßvogel war, der das Werk kreiert hat? Macht ein Goldüberzug aus Scheiße Kunst?

    Ähnliche Gedanken gehen mir sehr oft durch den Kopf, wenn ich Instagram-Fotos sehe. Der Gedanke von Instagram ist eigentlich toll: Statt eine teure Kamera mit rumschleppen zu müssen, nimmt man Fotos mit der normalen iPhone- oder Androidkamera auf. Die Megapixel der Kamera reichen für eine gute Qualität, und die Instagramfilter erledigen den Rest. So kann je nach Lust und Laune des Fotografierenden den Fotos ein gewisser Touch verpasst werden.

    Wenn nun aber das Ausgangsmaterial  nicht stimmt, dann macht Instagram die Bilder nicht besser, sondern eher lächerlicher, eben wie ein Goldüberzug auf Hundekot. Fotografieren ist eine Kunst, es ist schwierig, die richtigen Lichtverhältnisse , die richtigen Farbverhältnisse, die Beleuchtungs- und Verschlusszeiten und natürlich das richtige Motiv perfekt in Szene zu setzen.

    Aber für ein anständiges Bild mit Smartphonekamera und Instagram reicht es schon, sich ein itzebitzeklitzekleines bisschen Mühe zu geben. Die Bildaufteilung etwa: Der Hipster in mir dreht sich im Grabe herum, wenn das Hauptmotiv nicht  absichtlich irgendwo platziert ist (genau mittig  oder deutlich an der Bildseite etwa), sondern irgendwo zusammenhangslos herumdümpelt. Oder auch eine beliebte Variante: Das Motiv gar nicht vollständig aufnehmen, z.B. ein Portraitfoto, wo ein Teil des Kinns fehlt.

    Immer wieder ungern gesehen sind auch Fotos, wo links und rechts noch irgendwelche anderen Objekte störenderweise abgeschnitten herumhängen - ein Arm beispielsweise, eine halbe Pflanze, sonstwas. Die meisten Smartphones können Fotos direkt nach der Aufnahme auch zuschneiden - und genau das sollte man dann auch tun!

    Ein Foto ist auch dann nicht schön, wenn etwas knipsen möchte, die Kamera aber auf etwas ganz anderes scharf stellt. Was nützt das Bild von Meer, wenn die Kamera einen Laternenpfahl ganz vorn fokussiert?

    Was mich dabei so wundert und, ich gebe es zu, aufregt ist: Die Leute nehmen sich Zeit, ihre Fotos mit Instagram zu bearbeiten, Filter anzuwenden und dergleichen. Aber diese Zeit fehlt ihnen, wenn es darum geht einfach das Bild zu komponieren, also vielleicht einfach mal einen Schritt nach rechts zu gehen, sich hinunterzubeugen oder sonstwas.

    Stattdessen wird einfach ein Goldüberzug aufgetragen, und fertig.

     

  7. Gen-Müll, oder: An der Schwelle zu neuen Problemen

    Gerne erinnere ich mich an meinen Biologie-Studiengang zurück. In der Schule konnte ich mit Bio nicht viel anfangen, aber insbesondere die Vorlesung über Molekularbiologie, Gentechnik und Evolutions- und Populationsgenetik hatten es mir angetan. Nur mit “Evolution und Biodiversität der Pflanzen”, einem Fach, so trocken wie sein Name, konnte ich nichts abgewinnen.

    Eine Sache aus der Genetik ist bei mir ganz besonders hängen geblieben, und zwar, wie sich in unseren Genen Gen-Müll ansammelt - was langfristig zur Folge hat, das gesunde, nicht-behinderte Kinder zur Ausnahme gehören werden.

    Wie das? Nun, das ist gar nicht mal so schwierig zu erklären. Jeder kennt wohl Mendels Erbsen aus der Schule - also die Beobachtung, dass Gene sich entweder dominant oder rezessiv verhalten können und paarweise (von den Eltern) auftreten. Hat man ein dominantes Gen, z.B. eine Haarfarbe, so “überdeckt” dieses Gen einfach gesprochen eventuelle andere Gene, die noch so vorhanden sein mögen. Kriegen die Kinder dann nur die rezessiven Gene ab, so kann es sein, dass sie beispielsweise die Haarfarbe der Großeltern, nicht aber der Eltern bekommen.

    Und dann ist da noch Darwin, der sagt: Für das Überleben notwendige Eigenschaften setzen sich durch, für das Überleben hinderliche Eigenschaften werden ausgemerzt im Zuge der natürlichen Selektion.

    Beides zusammen, gemischt mit Antibiotika und sonstiger Medizin, gibt eine fiese Mischung. Denn nehmen wir an, jemand hat eine fiese, erblich bedingte Krankheit, die ihn normalerweise schon im Kindsbett töten würde. Und nehmen wir an, die Medizin wäre in der Lage, ihm zu einem verhältnismäßig normalem Leben zu verhelfen, er muss nur regelmäßig Medizin nehmen. Wenn er Kinder kriegt, wird er seine Gene weitergeben - vielleicht nicht an die nächste, aber an die übernächste oder an spätere Generationen.

    Und was passiert, wenn seine gesunden Kinder (mit rezessiven Krankheitsgenen) sich Partner suchen, die ebenfalls rezessive Veranlagungen für Krankheiten in sich tragen? Genau, in den nächsten Generationen sammeln sich noch mehr Müll-Gene an.

    Dass genau das passiert, sehen wir um uns herum: Heuschnupfen ist teilweise erblich bedingt, Allergien sind teilweise erblich bedingt, Depressionen können zum Teil vererbt werden, Probleme mit der Schilddrüse auch. Diese Krankheiten sind in meinen Augen alle schlagende Argumente für diese Theorie, denn sie alle lassen sich, je nach Ausprägung, mehr oder weniger leicht in den Griff bekommen, und sie alle hätten, mehr oder weniger stark, unbehandelt einen Nachteil auf die eigene Gen-Reproduktion.

    Wenn sich dies bewahrheiten sollte, dann haben wir in einigen Generationen eine ganze Reihe neuer Probleme, sowohl ehtisch als auch gesellschaftlich.

     

  8. Danke!

    Ich arbeite gerade an einem kleinen Webprojekt, über das ich demnächst mal etwas mehr hier schreiben werde. Ich möchte an dieser Stelle aber einmal kurz darauf hinweisen, dass es da draußen viele, viele Menschen gibt, die für nichts oder fast nichts die tollsten Sachen  erstellen und ins Netz tun.

    • Die Leute von jQuery sorgen dafür, dass Webprogrammierung heutzutage so einfach ist wie nie zuvor
    • jQueryUI sorgt dafür, dass das dann auch noch gut aussieht
    • Frameworks wie Django sorgen dafür, dass auch hinter den Kulissen alles sicher abläuft, ohne dass man als Programmierer selbst viele Gedanken daran verschwenden müsste

    Aber auch außerhalb der reinen Programmierwelt gibt es viele, die unseren Dank verdienen.

    • Auf Flickr stellen zahllose Fotografen ihre Fotos mit einer Lizenz online, die die Weiterverwendung, meist nur unter Nennung ihres Namens, erlaubt
    • Jamendo ist das gleiche, nur mit Musik statt Fotos

    Die Tatsache, dass die Autoren ihre Werke mit einer liberalen Lizenz verfügbar machen, bewirkt, dass man ihre Fotos oder Musik andernorts sehr leicht einbinden kann. Und das macht kleine Hobbyarbeiten wie meine überhaupt erst möglich.

    Dieser Dank gilt allen, die schon einmal etwas Größeres erstellt und kostenlos mit anderen geteilt haben - einfach so. Danke! Und wenn wir uns mal treffen gebe ich Euch ein Bier aus.

     

  9. Wie man’s macht…

    In meinem Zivildienst habe ich gelernt: Von “Lehrern” zu sprechen ist dann sexistisch, wenn die meisten Personen dieser Berufsgruppe an einer Schule weiblich sind. Selbst dann, wenn “Lehrer” grammatikalisch neutral (und nicht männlich) ist.

    Bei meinem letzten Kunden habe ich gelernt: Von “Reinigungsfrauen” zu sprechen, auch wenn die meisten Personen dieser Berufsgruppe beim Kunden weiblich sind, ist sexistisch.

     

  10. Fieber

    'Ganz Deutschland freut sich über den Sieg gegen Holland', tönte es
    heut morgen aus dem Radio. In den Nachrichten. Und ich wunderte mich:
    wenn das stimmt, also wirklich jeder sich freut, warum muss man es
    noch in den Nachrichten erwähnen? Und wenn es nicht stimmt, wäre es
    dann nicht eine Falschmeldung?

    Mir geht das Fußballfieber jedes mal ziemlich auf die Nerven. Nicht
    wegen des Fußballes an sich, sondern wegen der medialen Überpräsenz.
    Das geht schon mit Werbung los: gefühlt jede zweite Radiowerbung
    beginnt mit ‘TOOOOR!’, und man kann förmlich die Werbeleute hinter
    dieser ausgefallenen Idee sehen, wie sie sich auf die Schulter klopfen
    und sich so Sachen sagen wie ‘da hast du aber echt delivered, Walter,
    du alter überperformer!’. Die Moderatoren weisen einen
    sicherheitshalber auch noch auf den Sieg hin, falls man das nicht
    ohnehin bei Facebookoder Twitter ungewollt Live mitbekommen hat, und
    die Nachrichten bringen es auch nochmal.

    Nein, beim ESC war es nicht vergleichbar. Klar, der war auch medial
    präsent, aber das zog sich letztlich über sehr wenige Tage, und auch
    nicht in einem vergleichbaren Umfang.

    Und als erwachsener Mensch fragt man sich: ist es nötig, einen wild
    hupenden Autocorso zu machen, bloß weil bei einem der ersten Spiele
    gewonnen wurde? Was sind das für Leute, feiern die das Können ihres
    Kindes in Abendkleid und Anzug schon nach dem ersten bestandenen
    Diktat in der Grundschule?

    Manchmal wünschte ich mir, jemand säße während der Arbeit neben mir.
    Und immer dann, wenn ich etwas besonders gut mache, springt er auf,
    pustet in seine Vuvuzela und schreit “Sensationell!”

    Besonders traurig finde ich die kleinen Fähnchen, die (wieder gefühlt)
    jeder zweite sich ans Auto heftet. Denn weder erzeugen sie, wie die
    Antifa behauptet, Nationalismus, noch zeugen sie, wie die Gegenseite
    behauptet, von einem Funken Patriotismus. Sie sind so unangenehm und
    so peinlich wie all die Massen von Menschen, die Weihnachten und
    Ostern in die Kirche gehen, sich fromm und christlich geben, und den
    Rest des Jahres zu Hause bleiben weil sie es doch nicht sind.

    Da sind mir die dicken Kleingärtner in Feinripp lieber, die die
    Deutschlandflagge das ganze Jahr über hissen.