Gehackt!
Als ich das erste Mal gehackt wurde, war das so:
Ich hatte eine kleine Homepage, etwas, das ich selber vollmundig “Community” nannte. Es war eine Zeit, in der man sich noch selber um Homepages und Updates gekümmert hat, und Updates hat man eigentlich nur dann installiert wenn man neue Funktionen brauchte, und nicht, um die eigene Seite irgendwie sicherer zu machen. Und eines Tages ging ich auf die Homepage, und sie war weg, dort stand nur “Hacked by <1337G|_|Y>” (Okay, zugegeben, Leetguy habe ich mir nur ausgedacht. Ich weiß nicht mehr wie der hieß). Außer der Haupt-Seite waren aber alle Daten noch da.
Das Gefühl, das ich damals hatte, war nicht angenehm. Man stelle sich vor, man kommt nach Hause, alles ist wie bisher, im Schlafzimmer steht nur plötzlich ein Strauß Blumen.
Leetguy hatte (vermutlich absichtlich) genug Spuren hinterlassen, um ihn in einem Chatroom ausfindig zu machen. Denn ich wusste schon damals um die verschiedenen Hackerethiken, und die Tatsache, dass jemand in mein System einbricht, aber nichts anderes tut als mir eine Warnung zu hinterlassen, ist auf jeden Fall einen Dank wert - außerdem war ich neugierig und wollte wissen, wie so ein richtiger Profi sowas eigentlich macht.
Die Auflösung war ziemlich ernüchternd. Ich fand Leetguy, und er war 13. Gut, ich war damals 14 - aber 13jährige die sich so benehmen als wären sie 13 waren damals einfach schlimm, vermutlich so schlimm wie heute auch. Und alles, was Leetguy gemacht hatte, war, eine bekannte Schwachstelle auszunutzen. Man musste nur nach einem bestimmten Suchbegriff googlen, um betroffene Seiten zu finden, und hatte man sie gefunden, konnte man seinen Angriff durchführen (Ja, so einfach war das!). Und er konnte gar nichts anderes machen als die Hauptseite zu verändern, deswegen waren die Daten noch da!
Etwas enttäuscht verließ ich den Chatroom, in dem B|_|chs74b3n verpönt waren und man lieb0r Z4hl3n und Sonderzeiche|\|verwendete.
Aber an das Gefühl erinnere ich mich sehr, sehr gut, und es kam letzte Nacht wieder, als jemand in mein Google-Mail-Konto eingebrochen ist.
Mein Mailkonto ist sowas wie mein zentrales Nervensystem. Facebook und Tumblr schicken bereitwillig ein neues Passwort an meine Mailadresse, sollte es jemand anfordern. Schlimmer noch: Bei Amazon oder iTunes ist es genauso, dort kann jemand in meinem Namen nach Herzenslust shoppen. Und noch schlimmer: Meine Banksachbearbeiterin führt auf Zuruf Überweisungen für mich aus. Klar, wenn ihr jemand sagen würde, “Bitte überweisen Sie 10 Mio. auf folgendes Konto”, dann würde sie stutzig werden, aber ich glaube, bei Beträgen bis zu 1000€ würde sie nicht fragen.
Ein schlauer Hacker würde vermutlich gar nicht sofort anfangen, Mist zu machen, sondern erstmal gemütlich meine alten Mails lesen - denn Google Mail löscht ja nicht, es archiviert nur. Und dann hätte der Hacker ein genaues Bild von mir und könnte loslegen. Und ich würde nichts merken.
Dieser Gedanke ist extrem beunruhigend. Aber erstens hat Google selbst die Attacke bemerkt und blockiert, und zweitens war der Hacker kein Deutscher und hätte gar nicht in meiner Landessprache irgendwas tun können (selbst Passwort zurücksetzen wäre zumindest schwerer geworden). Gefahr abgewandt!
Ich benutze jetzt Googles Zwei-Wege-Login, wo man öfters mal einen Code eintippen muss, der aufs Handy kommt. Das ist zwar etwas aufwändiger, aber es geht schließlich um meine Identität.
Nach dem großartigen ersten und eher schwachen zweiten Teil war ich
